Fahrbericht Focus RS: Wolf im kompakten Schafspelz
Die Nachfolge, die der Ford Focus RS antrat, nämlich die des Erfolgsmodells Escort, ist ein schweres Erbe, unkte die Branche zum Launch. Aber: Der Focus RS erfüllt diesen Anspruch nicht nur mit Bravour, sondern überzeugt mit handfesten Zahlen. Es mußten weitaus mehr Exemplare an den europäischen Markt geliefert werden, als vorgesehen, weil die Nachfrage die kühnsten Ahnungen des Managements überstieg. Genau 1.200 Autos waren zu Beginn in 2009 vorgesehen – am Ende verkaufte der mit 305 PS kräftigste Großserien-Ford aller Zeiten fast zehnmal soviel!
Der (leider) ausschließlich als Dreitürer lieferbare Ford Focus RS unterscheidet sich zunächst optisch deutlich von den anderen Focus-Modellen: Unter den stark verbreiterten Kotflügeln stecken 19-Zoll-Räder mit 235er-Reifen. Front- und Heckschürze sind komplett anders und supersportlich designt, der Diffusor und ein großer Heckspoiler erhöhen den Abtrieb auf der Hinterachse. Innen unterstreichen Recaro-Schalensitz serienmäßig und ein zusätzlicher Tacho (geht bis 280 km/h) den sportlichen Anspruch.
Absolute Besonderheit: Der Ford Focus RS ist das derzeit einzige Kompaktauto der Welt, dessen Fünfzylinder-Turbo mit über 300 PS (305 PS / 224 kW) im Vorderradantrieb unterwegs ist. Damit das klappt, griffen die Ford-Ingenieure auf ein eigentlich uraltes Patent aus den 1930er Jahren zurück: Die Revo-Achse. Dabei sorgt das Drehmoment nicht nur für Vortrieb, sondern übt auch Kraft auf das Rad selbst aus. So beeinflusst es die Lenkung unter anderem umso mehr, je weiter entfernt sich das Radzentrum von der Lenkachse befindet – und desto höher das Drehmoment ist. Damit ist das Fahrwerk eine absolute Besonderheit.
Der Ford Focus RS schafft den Spurt von null auf hundert in 5,9 Sekunden, auf hundert Kilometer Strecke ist er im Verbrauch mit 9,4 Litern im Straßenmix dabei – ein kleiner Wermutstropfen. Für einen Kompakten ist seine Höchstgeschwindigkeit von 265 Stundenkilometern beachtlich. Und die schafft und beherrscht er mit der Seelenruhe eines Supersportwagens.
Fazit: Für ab 35.900 Euro fährt mit dem Ford Focus RS ein Wolf im Schafspelz vor: Außen ganz Kompaktwagen (bis 1.258 Liter Ladevolumen im Kofferraum), überrascht der RS im Inneren mit ausgetüftelter Technik, wie der Revo-Achse und beachtlicher Höchstgeschwindigkeit. Der Ford Focus RS ist in nur drei Lackierungen erhältlich: “Frost-Weiß”, “Indianapolis-Blau-Metallic” und das markante, sehr auffällige “Ultimate-Green-Metallic”. Kurzum, er ist ein Individualist seiner Klasse, durch und durch.
- eigensinnigies Design, eigensinnige Farben
- Vorderradantrieb mit speziellem, ausgereiftem Fahrwerk
- Kompaktwagen mit hoher Geschwindigkeit
- nur als Dreitürer erhältlich
- relativ hoher Verbrauch



















